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63% aller Rentner arm

63 Prozent aller Rentner in Bayern bekommen eine Rente unterhalb der Armutsgrenze

 Trotz jahrelanger Einzahlungen sind Millionen Senioren auf Grundsicherung oder Minijobs angewiesen

Wenn im reichen Bayern schon 63% der Rentner arm sind - wie sieht es dann erst anderswo aus?

Wenn im reichen Bayern schon 63% der Rentner arm sind – wie sieht es dann erst anderswo aus?

(Huffington Post)
Deutschland ist ein Land voller Widersprüche. In fast keinem Land in Europa verdienen die Menschen pro Kopf so viel, wie hier.

Gleichzeitig gibt es auf der ganzen Welt kein Land, in dem die Einwohnerinnen und Einwohner so viel sparen. Deutschland ist Sparweltmeister.

Ein hohes Einkommen und Sparsamkeit: Das klingt als könnten die Deutschen auch im Alter ein komfortables Leben führen.

Wer 40 Jahre lang hart arbeitet, der kann seinen Lebensabend in Ruhe, Frieden und relativem Wohlstand verbringen. In Deutschland ganz normal, richtig?

Falsch.

Denn immer weniger Menschen in Deutschland können es sich leisten, Geld auf die hohe Kante zu legen und für das Alter richtig vorzusorgen.

Die Lebenshaltungskosten in Deutschland steigen stetig, während die Renten dahingegen niedrig bleiben.
Mehr als die Hälfte bayerischen Rentner erhalten eine Rente unter der Armutsgrenze

Die Folge dieser Entwicklung wird besonders an einer Zahl wie dieser deutlich:

63 Prozent aller Rentner in Bayern liegen mit ihrer Rente unter der Armutsgrenze.

Das ergaben Berechnungen des Sozialverbands VdK, die jetzt vorgestellt wurden. Doch was bedeutet das eigentlich genau?

Die Armutsgrenze in Bayern betrug im Jahr 2016 für einen Einpersonenhaushalt 1039 Euro im Monat. Menschen, die monatlich weniger Nettoeinkommen zur Verfügung haben, gelten daher als arm. Und darunter fallen in Deutschland immer mehr Rentner.

So zum Beispiel die Münchnerin Doris Weiss. Sie hat ein langes Berufsleben als Verkäuferin hinter sich und bekommt gerade mal 500 Euro Rente im Monat – und das nach fast 40 Jahren Arbeit.

“Die Miete für meine Wohnung sind 470 Euro, da kann man sich ausrechnen, was übrig bleibt”, sagt sie der HuffPost.
Immerhin stockt der Staat ihre Minirente um 390 Euro Grundsicherung auf. Damit hat sie abzüglich der Miete rund 420 Euro zur Verfügung. Das sind circa 14 Euro pro Tag – für Essen, Hygieneartikel, Versicherungen und Kleidung.

“Verhungern würde ich nicht”, erklärt sie.

Arbeiten bis zum Umfallen
Dass Doris Weiss kein Einzelfall ist, zeigt auch die Geschichte von Arthur Pahl. Der 70-Jährige reist auch heute noch als Reiseleiter durch Deutschland und Europa, um seine Rente von 240 Euro aufzustocken.

Denn die Grundsicherung kommt für ihn nicht in Frage. Dafür ist er zu stolz. Er will keine Almosen. Seine Arbeitstage sind meistens circa 12 Stunden lang. Er steht morgens um 5 Uhr auf und fällt Abends um 9 erschöpft ins Bett.

Dazu kommt die Selbstständigkeit. Pahl ist sein eigener Chef und damit weder sozial-, renten- noch krankenversichert.
“Krank werden kann ich mir nicht leisten”, sagt er. Wenn es mal irgendwo zwickt, dann versucht er sich so gut es geht selber zu pflegen.

Weil er früher nicht ausreichend Geld zurückgelegt hat und die Lebenshaltungskosten in Deutschland gestiegen sind, werde er wohl “arbeiten, bis er umfällt”, erklärt er und macht dabei eine nervöse Handbewegung Richtung Fußboden.

Wenn er nächstes Jahr 71 wird, möchte Pahl kürzertreten und nicht mehr zweihundert Tage im Jahr in bis zu hundert verschiedenen Hotels übernachten.

Sein Traum wäre es, endlich in Rente gehen zu können und sein Alter in Würde zu verbringen. Doch aktuell, weiß er noch nicht, wie das klappen soll – und so geht es immer mehr Rentnern überall in Deutschland.

So zum Beispiel auch die 79-jährige Münchnerin Auguste Moersch. Sie lebt von 790 Euro Rente im Monat – und das in einer der teuersten Großstädte Deutschlands.

Der Statistik zufolge ist Frau Moersch arm. Sie gehört, zu den 63 Prozent der bayrischen Senioren, die weniger als 1039 Euro Netto monatlich zur Verfügung haben. In gesamt Deutschland sind Schätzungen zufolge rund 15 Prozent der Rentner davon betroffen.

Doch die 79-Jährige hat ihren ganz eigenen Weg gefunden, damit umzugehen Sie achtet auf Spartipps und Sonderangebote. Sie telefoniert ausschließlich mit Billigvorwahlen. Und sie ist ein regelmäßiger Gast bei der Münchner Tafel.

Dennoch erklärt sie: “Ich bin zufrieden.”

(ben)

Quelle: Huffington Post

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