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Gib mir einen Spielzeugjob

Die “nicht arbeitslosen” Arbeitslosen in den Spielzeugjobs – Statistik schönen ist richtig teuer für den Steuerzahler

 

Ich spiele, als hätt ich eine Arbeit.

Ich spiele, als hätt ich eine Arbeit.

Hartz 4 ist schon ein komisches System. Da werden Dinge forciert, die wirklich keinen erkennbaren Sinn machen. Zum einen wird mit der finanziellen Not Druck aufgebaut, mit dem Glauben, das würde einen Effekt erzielen.

Auf der anderen Seite wird aber so getan, als könnten Hartz4-Empfänger kaum oder gar nicht rechnen. Genauso ist es mit dem Wirrwarr aus 1,50-Jobs, Minijobs und Gelegenheitsjobs.

Oder wird einfach auf die reine Menschenfreundlichkeit von Hartz4-Empfängern getippt, wenn es zum Beispiel um Gelegenheitsjobs geht? Nehmen wir an, ein Mechaniker bekommt eine einmalige Gelegenheit, ein Auto zu reparieren. Oder ein Schreiber den Auftrag, einen Text zu verfassen. Oder ein Mehrsprachiger das Angebot, einen Text zu übersetzen. Oder ein Maler wird gefragt, ob er ein Haus streichen könnte. Nehmen wir an, die Höhe des Auftrags betrüge 300 Euro.

Macht es Sinn, wenn die Person den Auftrag annimmt? Laut Paragraphen ist sie ja dazu verpflichtet, doch was würde da passieren? Was würde das für die Person bringen? Fakt ist, das “Einkommen” würde verrechnet. Das bedeutet im Klartext: der Person, die da gearbeitet hat, steht kein Cent mehr zur Verfügung, obwohl sie gearbeitet hat.

Im Gegenteil, sie hat nur zusätzlichen Verwaltungsaufwand erzeugt. Warum sollte jemand aus finanzieller Not einen Job annehmen, der ihm keinen Cent mehr Geld einbringt? Was für eine absurde Regelung ist das denn? Ein Gelegenheitsjob macht also im Jobkarussel den wenigsten Sinn. Andereseits ist das natürlich die Alternative mit dem meisten Sinn, wenn in bar bezahlt und der Mund gehalten wird. Sozusagen eine Einladung zur Schwarzarbeit.

Dann der 1,50-Euro-Job. Dabei möge man denken, dass die unverschämten Firmen, die 1,50-Jobber annehmen und für einen Hungerlohn arbeiten lassen, die größten Ausbeuter sind – falsch gedacht. Sind sie nicht, im Gegenteil: sie zahlen gar keine 1,50 pro Stunde. Sie bekommen das Geld vom Jobcenter und – sogar noch 200 Euro monatlich dazu gezahlt, damit sie so gütig sind, Euch, den Abschaum, zu beschäftigen. Damit ihr aus der Statistik herausgerechnet werden könnt.  Ja, so ist es, laßt es Euch von mir gesagt sein. Jeder Betrieb, der 1,50-Jobber anstellt, erhält pro Kopf 200 Euro im Monat, damit er Euch arbeiten lässt. Ihr seid so wenig wert, daß das Jobcenter sogar dafür bezahlt, Euch anzustellen.

Ein 1,50-Euro-Job ist aus der Sicht des Steuerzahlers nichts weiter als eine weitere teure Geldverbrennungsmaschine. Es ist immer derselbe Moloch, der sich an der Armut eine goldene Nase verdient. Unternehmer, welche die wahren Schmarotzer des Staates sind, und sich vom Staat und Steuerzahler ihren geschäftlichen Erfolg bezahlen lassen: In der Leiharbeit, beim 1,50-Euro-Job, bei der Asylindustrie. Alles dasselbe Gesocks!
Der vielgepriesene “Minijob” oder 450-Euro-Job ist ein weiteres abstruses Gebilde, zumindest für Hartz4-Empfänger. Denn von den 450 Euro, die sich soooo gut anhören, bleiben ja auch nur 160 Euro übrig. Aber immerhin: gemessen an der Annahme, das ein Hartz4-Empfänger wohl nicht rechnen kann, doch eine recht akzeptable Lösung, denn das “Preis-Leistungs-Verhältnis” ist ja das Beste: für 60 Stunden Arbeit 160 Euro mehr in der Tasche. Das ist etwas mehr als 2 Euro pro Stunde extra. Der Nachteil hier: es kann richtig Stress aufkommen, denn es handelt sich um ein ganz normales Arbeitsverhältnis mit richtigem Chef.

Dagegen steht der sogenannte 1,50-Job, der “Spielzeugjob”..”Zur Heranführung” an den normalen Arbeitsmarkt. Wozu soll das gut sein? Also: man soll sich ein halbes Jahr lang wieder daran gewöhnen, morgends aufzustehen und einem normalen Tagesrythmus zu folgen. Nur: was soll das für einen Vorteil haben, wenn man danach gar keine normale Arbeit bekommt?

Ich meine, sich über 720 Stunden für eine Arbeit vorzubereiten, die es dann gar nicht gibt, ist doch Nonsens auf gut deutsch gesagt. Ein 1,50-Euro-Job machte praktisch nur dann Sinn, wenn da ein langjähriger Arbeitsloser ist, der in 6 Monaten einen richtigen Job bekommen soll und aber erst einmal wieder das frühe Aufstehen lernen soll. Für alle anderen ist es Quatsch – natürlich nur aus der Sicht der Arbeitslosen selbst.

Für Ausbeuter, die mit staatlicher Unterstützung solche Arbeitskräfte suchen, natürlich das Paradies. Was bringt ein 1,50-Euro-Job finanziell? Er ist ein klein bisschen schlechter gestellt, als der Minijob. Der Jobber muß 30 Stunden arbeiten, um auf ein Plus von 180 Euro monatlich zu kommen. Dafür ist man in einem Niedrig-Stress-Job unter seinesgleichen, wo das Arbeitsklima dementsprechend und die Anforderungen nicht auf dem höchsten Niveau sein werden. Und damit gänzlich ungeeignet zur Vorbereitung auf den normalen Arbeitsmarkt.
Es entsteht lediglich das Gefühl, in eine Monotonie hereingepresst zu werden, wo gesagt wird: wenn ihr schon Geld erhaltet, müsst ihr gefälligst auch früh aufstehen. Ob der Steuerzahler damit einverstanden ist, dass jeder Hartz4-Empfänger dadurch noch einmal mindestens 200 Euro mehr kostet, ist völlig egal.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://hartz4kontakte.com/gib-mir-einen-spielzeugjob/

2 Kommentare

  1. Anna

    Natürlich kann man auch das fragwürdige Glück haben, übernommen zu werden. So erging es mir. Nachdem ich gut ein Jahr in einem Büro einer Sozialstation meinen 1,50 Dienst tat, durfte ich mich über die Nachricht freuen, dass man mich gern behalten möchte. ABER NUR, weil das Jobcenter einen Großteil meines Gehaltes zahlt.
    Sofort war mir die Freude vergangen. Zum Einen hatte das für mich den starken Beigeschmack von Ausbeuterei, zum Anderen stand man dann doch immer noch unter der Fuchtel des Jobcenters, war von wohlwollenden Beurteilungen abhängig, ob diese “Maßnahme” weiter geführt wird. Ist nichts weiter, als weiterhin eine Billigarbeitskraft, die zumindest in meinem Fall nicht ernst genommen wurde, dafür aber Mobbing ausgesetzt war. Eine Biligarbeitskraft kann ja dann gern für die Fehler anderer zur Verantwortung gezogen werden. Dafür war denen ihre paar Cent, die sie noch für mich drauf legen mussten also wert.
    Und das “Schönste”: Nachdem also auch meine Arbeitssuche wärend dieser Farce erfolglos blieb, bin ja auch schon 40, ging es hinterher gleich wieder mit Hartz 4 weiter. Und, man schickt mir auch noch den ÄD auf den Hals, weil ich nach der mobberei und ausnutzerei mittlerweile so kaputt bin, dass ich nur noch Teilzeit arbeiten kann. Dies aber auch möchte. Statt meinen Willen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken zu respektieren und mich dann zu unterstützen, an eine Halbtagsstelle zu kommen, schickt man mir also den ÄD auf den Hals um meine “Arbeitsfähigkeit” zu beurteilen.

    Was soll das bitte!!! Erst wird man durch das Leben jenseits des Exstenzminimums psychisch kaputt gemacht, dann soll man sich noch darüber feuen, ausgebeutet, später ausgenutzt zu werden, darf dann zum Existenzminimum zurückkehren. Und soll danach auch noch voll und frisch und munter für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Auf welchem Planeten leben die eigentlich!!!!

  2. Anna

    Es geht wohl weniger darum, das Hartz4 Empfänger nicht rechnen können, sondern eher, dass man sie mit ihrer Armut erpresst. Welcher “normale” Mensch stellt sich irgendwo hin und arbeitet für 1,50 die Stunde?! Niemand!
    Als Hartz4 Empfänger bleibt dir aber auch so keine andere Wahl, will man mal wenigstens für kurze Zeit in den Luxus kommen, 1 oder 2 Existenzsorgen weniger haben zu können.
    Bringen tut einem diese “Schmierenkomödie” natürlich am Ende nichts. Man kommt beruflich keinen Schritt weiter und ein soziales Leben hat man immer noch nicht.
    Selbst, wenn man nach außen hin die Lüge “Ich habe eine befristete Stelle” lebt, kann man sich am Ende doch nicht mehr leisten. Also von wegen, man kann wieder einmal ins Kino gehen oder mit Freunden mal eins drauf machen. Man ist einfach nur froh darüber, dass der Kühlschrank ein bisschen voller wird und wenn man es geschickt genug anstellt, spart man sich ein paar Groschen zusammen für einen Frisörbesuch oder neue (Billig) Klamotten für ein vielleicht irgendwann stattfindendes Bewerbungsgespräch.
    Wenn es denn überhaupt statt findet. Dadurch, dass viele Menschen buchstäblich in sozialen Einrichtungen verheizt werden, nimmt man ihnen auch die Chance in ihrem Beruf wieder Fuß zu fassen. Einer Industriekauffrau nutzt es in einem Bewerbungsgespräch herzlich wenig, wenn sie erzählt, sie habe sich im letzten Halbjahr/Jahr um alte Menschen / Behinderte gekümmert. Oder in einem Kindergarten gearbeitet.

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