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Mann als “Verkäuferin” im Kosmetikstudio?

Hartz IV-Irrsinn: Junger Mann sollte als “Verkäuferin” im Kosmetikstudio arbeiten- Sanktionen!

BegabungenJunger Mann soll in einem Kosmetikgeschäft arbeiten

Markus ist Anfang 20 und lebt von Hartz IV. Immer wieder fordert das Jobcenter den jungen Mann auf, sich für den beigefügten Job zu bewerben. Diese Stellen sind allerdings entweder befristet oder unterbezahlt. Dennoch kommt er den Forderungen des Jobcenters nach, denn er möchte um keinen Preis sanktioniert werden. Schon mit dem vollen Regelsatz kommt er nur schwer bis zum Monatsende zu recht. Schließlich erhält Markus ein Schreiben vom Jobcenter, in welchem dieses ihn aufgefordert, sich als Verkäuferin in einem Kosmetikgeschäft zu bewerben. In dem Schreiben stand tatsächlich „Verkäuferin“ ohne Schrägstrich oder die Kennzeichnung m/w. Zuvor war sich der junge Mann für keinen Job zu schade gewesen, doch nun war auch seine Toleranzgrenze erreicht.

Regelsatz darf bei unter 25-jährigen komplett gestrichen werden

Dieses Schreiben ignorierte er daher und die Quittung ließ nicht lange auf sich warten: 30 Prozent weniger Geld für die nächsten drei Monate. Der junge Mann fühlte sich im Stich gelassen. Er hatte sich dem Jobcenter gegenüber zuvor nicht einen einzigen Fehltritt erlaubt. Dabei hatte er noch Glück gehabt. Das Gesetz erlaubt dem Jobcenter nämlich, dass es unter 25-jährigen nach einem Verstoß auch direkt den kompletten Regelsatz streicht. Kommt es daraufhin zu weiteren Verstößen, dürfen auch Miete, Strom- und Heizkosten gestrichen werden. Viele junge Hartz IV-Bezieher sind von derartigen Sanktionen betroffen. Dadurch sind sie häufig nicht mehr in der Lage, anfallende Rechnungen zu begleichen und verschulden sich schon im jungen Alter hoch. Eine Belastung, die allgemein viele Hartz IV-Bezieher nachweislich bis in die Depressionen treibt.

Union und FDP sind gegen eine Milderung

Schon seit geraumer Zeit fordern Politiker der SPD, der Linken und der Grünen, die Sanktionen zu entschärfen. Vor allem für die unter 25-jährigen, da die Sanktionen bei ihnen nicht die erhoffte Wirkung erzielen. Im Gegenteil, sie wirken häufig sogar kontraproduktiv. Ein unerwünschter Nebeneffekt: Junge Menschen, die das Jobcenter sanktioniert, ziehen sich häufig komplett aus dem System zurück und beginnen mit Schwarzarbeit. Trotzdem sprechen sich vor allem Politiker der Union und der FDP gegen eine Milderung aus. Ihrer Meinung nach, seien Sanktionen ein wichtiges Instrument, mit dem man die jungen Menschen früh erziehen müsse, damit sie nicht in der Arbeitslosigkeit hängen bleiben.

Schikane durch das Jobcenter

Um weiteren Sanktionen zu entgehen, nahm Markus mehrere 1-Euro-Jobs an, arbeitete als Hausmeister oder als Verkäufer. Er ist seither kontinuierlich beschäftigt. Allerdings immer nur für ein paar Monate und für ein unterdurchschnittliches Einkommen.

Dass Markus Erfahrung kein Einzelschicksal darstellt, belegt auch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Junge Menschen nehmen demnach vor allem aus Angst vor Sanktionen schneller Jobs an. Meistens sind das allerdings befristete und schlecht bezahlte Stellen ohne Perspektive. Natürlich sind sich die Mitarbeiter der Jobcenter über die Ängste der Hartz IV-Bezieher bewusst. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, zwingt man sie immer wieder zu Jobs, für die sie nicht qualifiziert sind oder in denen sie kaum etwas verdienen. Gehorchen die Hartz IV-Bezieher nicht, werden sie sanktioniert.

Einen jungen Mann in ein Kosmetikgeschäft stecken zu wollen und ihm bei fehlendem Engagement mit Sanktionen zu drohen ist Schikane. Dass dieser sich weigert, den Job anzunehmen, scheint daher fast bewusst provoziert worden zu sein.

Quelle: Gegen Hartz

Anmerkung: Oh je, wie realitätsfern ist das denn? Das Jobcenter bietet keine Jobs an, sondern fordert lediglich zu Bewerbungen auf “Vermittlungsvorschläge”  auf!

Na gut, dann bewirbt sich dieser junge Mann eben, und der Arbeitgeber, der explizit eine Dame haben will, wird die Bewerbung postwendend in den Papierkorb werfen. Kein Kosmetikstudio, das eine Dame anstellen will, wird einen Herren vorladen, der dann die Arbeitsaufnahme ablehnen  und somit sanktioniert werden kann. So etwas passiert nicht.

Seid doch mal ein bisschen intelligent: Dann bewerbt euch eben – bzw. legt beim Jobcenter einen “Bewerbungsnachweis” vor. Ob ihr tatsächlich eine Bewerbung dorthin verschickt habt, kann ja niemand wissen. Dann müssten die Fallmanager ja jeden einzelnen Betrieb anrufen, ob wirklich eine Bewerbung von euch eingegangen ist.

Also: ihr schreibt die Bewerbung praktisch nur für euren Fallmanager, punkt. Und habt 2 Lebensläufe vorbereitet: Einen Guten für Bewerbungen für Jobs, die ihr wirklich wollt, und einen Schlechten z.B. für Zeitarbeitsfirmen. In den schlechten Lebenslauf kann man beispielsweise eine Haftstrafe einbauen, und schon habt ihr Ruhe vor unerwünschten Jobs.

 

Leck mich doch!

Leck mich doch!

Das System stellt sich selbst ein Bein: Wenn der Fallmanager euch einen “Vermittlungsvorschlag” unterbreitet, heißt das ja nicht, dass ihr dort wirklich arbeiten müßt und deshalb einen Grund habt, dies abzulehnen. Ihr müßt euch lediglich innerhalb von 3 Tagen dort bewerben – bzw. den Bewerbungsnachweis ans Jobcenter schicken

Also schreibt eine Bewerbung, schickt sie ans Jobcenter mit der Bemerkung “leider noch keine Rückmeldung” – was ja nach erst 3 Tagen völlig logisch wäre. Ob ihr die Bewerbung auch an die entsprechende Firma geschickt habt, weiss doch keiner.

Ihr müßt 10 Bewerbungen im Monat schreiben?
Dauert 1 Stunde, mehr nicht. 5 Musterbewerbungen gespeichert haben (vielleicht auch auf einem USB-Stick), Gelbe Seiten oder Jobportale aufschlagen, willkürlich Firmen auswählen und in die Musterbewerbungen einfügen - Vorsicht und Konzentration beim Einsetzen der Adresse, des Datums, der Anrede. Vielleicht ein, zwei Sätze entsprechend ändern, speichern, fertig –  nächster Bewerbung. Ihr nennt es eben “Initiativbewerbungen”, hören die Fallmanager gern.

Ausdrucken und ins Jobcenter mitnehmen: “Hallo Herr Fallmanager, hier sind meine Bewerbungsnachweise”. Der Fallmanager wird sich hüten, tatsächlich bei all diesen Firmen anzurufen und zu fragen, ob wirklich eine Bewerbung von Ihnen eingegangen ist. Oder der entsprechende Personalchef wird sagen “Moment, schaun wir mal, also im Moment kann ich diese Bewerbung gerade nicht finden, rufen sie doch später noch einmal an”. Mehr kann da nicht passieren.

Ihr schreibt die “Bewerbung” nur als “Bewerbungsnachweis” für den Fallmanager. Das funktioniert nur bei Zeitarbeit nicht, da werdet ihr persönlich vorgeladen und aufgefordert, euch vorzustellen und ein Formular auszufüllen. Und da macht ihr bei der Frage “Vorstrafen Ja – Nein” ein Kreuzchen bei “Ja”. Kann doch nicht so schwer sein, macht euch keinen Kopf. Die Jobcenter sind listig, aber ihr seid doch noch schlauer!

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