Hartz IV Rebellin bekommt Auszeichnung

 

Die Jobcenter-Rebellinnen Jana Grebe und Inge Hannemann.

Die Jobcenter-Rebellinnen Jana Grebe und Inge Hannemann.

Am 29. Oktober 2017 wurde Jana Grebe mit dem „Preis für Zivilcourage“ durch die Solbach-Freise-Stiftung ausgezeichnet.

 

„Ich kann doch nicht angewiesen werden, ganz klar gegen die Menschenwürde zu verstoßen“. Am 29. Oktober 2017 wurde Jana Grebe mit dem „Preis für Zivilcourage“ durch die Solbach-Freise-Stiftung ausgezeichnet. Jana Grebe arbeitete bis zu ihrer Selbstkündigung als Fallmanagerin im Jobcenter in Osterholz-Scharmbeck (Niedersachsen).

Sie weigerte sich im Zuge eines Modellversuchs Eingliederungsvereinbarungen, also den Vertrag zwischen Jobcenter und Arbeitslosengeld-II-Leistungsberechtigten, als Serienbrief und ohne vorherige Einzelfallprüfung auszustellen und zu versenden. Inge Hannemann erhielt für ihren Kampf gegen Hartz IV die “Anne-Solbach-Freise Medaille”. “Demokratie wagen, Zivilcourage zeigen” ist der Slogan der Solbach-Freise-Stiftung!

Viele Jobcentermitarbeiter/innen kritisieren zwar hinter vorgehaltener Hand die teilweise rechtswidrigen Praktiken, aber sich öffentlich dagegen zu wehren tun nur sehr Wenige. Aber es gibt sie, die rebellierenden Jobcenter-Mitarbeiter, wie dieses Beispiel zeigt!

Quelle: Gegen Hartz

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Bis wann existiert die Rente noch?

Die RENTE IST AUF keinen Fall sicher.

 

Wie lange gibt´s überhaupt noch Rente? Wahrscheinlich noch 10-20 Jahre, danach sicherlich nur noch Grundsicherung für Alle.

Wie lange gibt´s überhaupt noch Rente? Wahrscheinlich noch 10-20 Jahre, danach sicherlich nur noch Grundsicherung für Alle.

„Die Rente ist sicher“ – diese Lüge hinterließ uns Norbert Blüm, einst als Minister für die Rentenlügen zuständig. 1,4 Billionen Euro kostete uns diese Lüge bereits seit der Wiedervereinigung.

Wer die Regierung befragt, erhält in aller Regel auch heute noch die Auskunft, die Rente sicher. Dabei ufern die Auszahlungen inzwischen regelrecht aus (vgl. http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/loch-in-der-kasse-mit-einem-milliarden-trick-rechnen-sich-die-politiker-die-rente-schoen_id_7431317.html). Im vergangenen Jahr musste die Deutsche Rentenversicherung einen Betrag von 288 Milliarden Euro auszahlen. Natürlich lässt sich nicht direkt erfassen, wieviel Geld das ist. Deshalb zum Vergleich:

Dies entspricht einer Mehrauszahlung in Höhe von annähernd 4 % gegenüber dem Jahr 2015. Der „Focus“ begründete dies damit, dass einfach mehr Menschen die Rente beantragen würden und die Lebenserwartung zudem steigt. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn die Lebenserwartung steigt ja nicht urplötzlich, sondern kontinuierlich.

Richtige Versicherungen nutzen dafür sogar Sterbetafeln, etwa die Versicherungskonzerne, die Todesfallversicherungen anbieten. Die Rentenversicherung ist aber keine „richtige Versicherung“. Hier liegt das Problem im System.
„Versicherung“ ist der falsche Begriff

Die sogenannte Versicherung soll eine Gruppe von Teilnehmern an sich gegen ein individuell nicht kalkulierbares Risiko schützen. Wer betroffen ist, lässt sich nicht ermitteln. Allerdings lässt sich das – errechenbare – Risiko auf alle Schultern verteilen, sodass der zufällig Betroffene im Schadensfall freigestellt werden kann.

Die „Rentenversicherung“ versichert aber keinen Schadensfall und auch – in der Regel – keinen Versicherungsfall, sondern einen erwartbaren Vorgang. Es ist ein sehr einfaches Rechenspiel, das allerdings die Politik lieber nicht öffentlich durchführen möchte. Sie lügt uns in die Taschen.

Denn: Die Höhe der Rentenbeiträge liegt seit einiger Zeit bei 18,7 % vom Einkommen. Obwohl die Auszahlungen steigen. Schon das belegt, dass der Staat politisch willkürlich eingreift und die Rentendaten einfach nach eigenem Gusto gestaltet. Anders als es jede Versicherung machen würde. Wenn aber die Einnahmen pro Person gleich bleiben und die Ausgaben jetzt schon wachsen, dann fehlt Geld. Darüber spricht kaum jemand. Und dies ist die Lüge.
Schon jetzt zahlen Sie viele Milliarden Euro

Da die Beiträge nicht ausreichen, um wenigstens heute die Ausgaben zu decken, müssen die Steuerzahler ran. Aktuell zahlen Sie als Steuerzahler fast 68 Mrd. Euro jährlich in die Rentenkasse. Noch 1991 waren dies 25,8 Milliarden. Und das, obwohl sich die Einnahmen durch die gute Situation am Arbeitsmarkt im selben Zeitraum etwa verdoppelt haben und 280 Mrd. Euro betragen.

Der gesamte Fehlbetrag seit 1991, seit der Wiedervereinigung, summiert sich auf ungeheure 1,4 Billionen Euro. Zum Vergleich: Die Bundesschulden insgesamt liegen – offiziell – bei etwa 2 Billionen.

Böswillig gesagt hat der Staat die Steuerzahler ganz überwiegend für die Rentenkassen verschuldet. Und all dies nur, um die Stimmung im Land noch unter Kontrolle zu halten.
Unfassbar: Lawine kommt erst noch

Dabei wissen wir heute schon, dass die Lawine in den Sozialkassen noch auf uns zukommt. Die Wahrheit oder jedenfalls annähernd die Wahrheit hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kürzlich ermittelt.

Wenn das bisherige Niveau der Rente erhalten bleiben soll und der Beitragssatz sich nicht ändern darf, dann müssen die Zahler künftig eigentlich bis zur Vollendung des 73. Lebensjahres arbeiten (vgl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/studie-prognostiziert-kuenftig-renteneintritt-mit-73-a-1094582.html).

Die Politik hat das Eintrittsalter aber bis zum Jahr 2029 auf 67 angehoben. Mit anderen Worten: Die RENTE IST AUF keinen Fall sicher.

Quelle: Watergate TV

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Lebensversicherung für Hartz4-Empfänger sinnlos

Keine Schonung für vom „Munde abgesparte“ Lebensversicherung: BSG: Aus Hartz IV angespartes Vermögen ist zu verwerten

 

Liebe Hartz4-Emfänger: besser nicht sparen, sonst wird das Ersparte zum zweiten Mal angerechnet.

Liebe Hartz4-Emfänger: besser nicht sparen, sonst wird das Ersparte zum zweiten Mal angerechnet.

13.10.2017

Üben sich Hartz-IV-Bezieher in Konsumverzicht und geben ihr Geld lieber für eine private Renten- und Lebensversicherung zum Vermögensaufbau aus, haben sie Pech gehabt. Auch wenn sie sich die Versicherungsbeiträge „vom Munde abgespart“ haben, müssen sie die Lebensversicherung grundsätzlich für ihren Lebensunterhalt verwerten, urteilte am Donnerstag, 12. Oktober 2017, das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel (Az.: B 4 AS 19/16 R). Eine Verwertung ist danach möglich, wenn der Wert des Vermögens über den gesetzlichen Freibeträgen für Hartz-IV-Bezieher liegt und mit der Versicherung kein Verwertungsausschluss vereinbart wurde.

Damit kann sich ein Hartz-IV-Bezieher aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz keine Hoffnung auf Erhalt seiner angesparten privaten Lebensversicherung machen. Dieser hatte eine Wohnung im Haus seiner Mutter angemietet. Mit seinem zuständigen Jobcenter stand er im Streit um höhere Unterkunftskosten für die Monate März und April 2009.

Das Jobcenter hatte höhere Leistungen abgelehnt, unter anderem mit dem Argument, dass der Hartz-IV-Bezieher über zu verwertendes Vermögen verfüge. Er nenne nicht nur ein Aktiendepot in Höhe von 1.303 Euro und ein Sparguthaben von 424 Euro sein Eigen, er verfüge zudem auch über eine private Lebensversicherung mit einem Rückkaufswert in Höhe von 16.802 Euro. Da das Vermögen über seinen Freibeträgen von 9.750 Euro liege, müsse er dieses für seinen Lebensunterhalt verwerten.

Einen Verwertungsausschluss, wonach die Versicherung erst im Rentenalter fällig wird, hatte der Mann nicht vereinbart. In diesem Fall können dann altersabhängig weitere Freibeträge geltend gemacht werden.

Der Hartz-IV-Bezieher wollte die Verwertung seiner Lebensversicherung nicht einsehen. Diese habe er ja nicht aus einem Arbeitseinkommen finanziert, sondern sich von seiner Hartz-IV-Leistung „vom Munde abgespart“. Es würde eine besondere Härte bedeuten, wenn er so sein Vermögen nun wieder verliere.

Das Landessozialgericht (LSG) Sachsen-Anhalt urteilte am 21. April 2016, dass die Versicherung verwertet werden muss (Az.: L 2 AS 378/13; JurAgentur-Meldung vom 22. November 2016). Auch wenn der Wert der Lebensversicherung während des Leistungsbezugs über die geltenden Freibeträge angewachsen sei, liege mit der Verwertung noch keine besondere Härte vor.

Das BSG verwies das Verfahren wegen fehlender Tatsachenfeststellungen zwar an das LSG zurück. Doch Hoffnung auf Erhalt der Lebensversicherung machte der 4. BSG-Senat dem Kläger nicht. Denn eine Lebensversicherung stelle Vermögen dar, das grundsätzlich für den Lebensunterhalt aufgewandt werden muss. Das gelte auch dann, wenn die Versicherungsbeiträge aus den Hartz-IV-Leistungen „vom Munde abgespart“ wurden, urteilten die Kasseler Richter.

Denn die Vermögensfreibeträge dienten dazu, dass Hartz-IV-Bezieher Rücklagen für größere Anschaffungen bilden können. Ein weiteres Ansparen, zumal in unbegrenzter Höhe als Schonvermögen, habe der Gesetzgeber nicht vorgesehen. Einen Verwertungsausschluss habe der Kläger ebenfalls nicht vereinbart, weshalb er keine zusätzlichen Freibeträge für die Altersvorsorge geltend machen könne. fle/mwo

Quelle: Gegen Hartz

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“Demokratie-Abgabe” diktatorisch aufgezwungen

So verteidigt der WDR-Intendant sein Gehalt von 399.000 Euro

 

Hungerlohn-Leiharbeiter finanzieren die fürstlichen Gehälter bei der verhassten GEZ gezwungenermassen.

Hungerlohn-Leiharbeiter finanzieren die fürstlichen Gehälter bei der verhassten GEZ gezwungenermassen.

Aus: Welt.de

Nachdem die ARD die Gehälter ihrer Intendanten veröffentlicht hatte, war Kritik an der Höhe aufgekommen. Topverdiener Tom Buhrow vom WDR wehrt sich: „Man kann immer sagen ‘weniger, weniger, weniger‘.“
WDR-Intendant Tom Buhrow (58) hat sein Jahresgehalt von 399 000 Euro verteidigt. „Man kann das immer weiter treiben mit dem Neid“, erklärte der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator am Mittwoch in Köln bei einer Pressekonferenz nach der ARD-Hauptversammlung. „Ich kann absolut zu den Gehältern stehen. Man kann immer sagen „weniger, weniger, weniger“.“ Dann lande man am Ende bei Milliardären, die es sich leisten können, den Job ehrenamtlich zu machen. Ob das so gut wäre für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wolle er bezweifeln.

Die ARD veröffentlicht seit Anfang September die Gehälter sämtlicher Intendanten auf ihrer Website. Buhrow steht an der Spitze des größten ARD-Senders und bezieht das höchste Gehalt im Intendantenkreis, was allerdings auch schon vorher bekannt war.

In anderen Fällen belässt es die ARD bei pauschalisierten Angaben. Er tue sich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes schwer damit, jedes Einzelgehalt auf Heller und Pfennig öffentlich zu machen, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Insgesamt wolle die ARD ihr Handeln aber noch sichtbarer machen, betonte die ARD-Vorsitzende Karola Wille. ARD und ZDF finanzieren sich hauptsächlich über den Rundfunkbeitrag von derzeit 17,50 Euro pro Haushalt im Monat.

Die ARD-Hauptversammlung beschloss, dass der Bayerische Rundfunk 2018 den ARD-Vorsitz übernehmen wird. Damit wird der BR-Intendant Ulrich Wilhelm nächster ARD-Vorsitzender. „Nicht glücklich“ sind die Intendanten mit dem TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Man hätte sich mindestens zwei Duelle gewünscht, Kanzlerin Merkel habe sich aber nur für eines zur Verfügung gestellt, sagte Herres.

Man habe sich letztlich die Frage stellen müssen: „Machen wir’s oder lassen wir’s?“ Es sei eine Güterabwägung gewesen, und da sei die ARD zu dem Schluss gekommen, dass ein Verzicht größere Nachteile gehabt hätte. Das überwältigende Interesse – mit mehr als 16 Millionen Zuschauern war es die meistgesehene Sendung des Jahres – habe diese Entscheidung bestätigt. Wie man es in vier Jahren machen werde, könne man jetzt noch nicht sagen, sagte Herres.

Die Intendanten beschlossen auch, den ARD-„Faktenfinder“ fortzusetzen. Das Verifikationsteam von ARD-aktuell in Hamburg sucht nach Fake News im Netz und recherchiert die Informationen nach. Die Rechercheergebnisse veröffentlicht die ARD unter „faktenfinder.tagesschau.de“ und über die sozialen Netzwerke. Das größte Interesse gab es der ARD zufolge bisher im Juli: In dem Monat mit dem G20-Gipfel in Hamburg seien fast 900 000 User von externen Plattformen wie Google, Facebook oder Twitter auf die „Faktenfinder“-Website gekommen.

Quelle: Welt.de

Anmerkung: Das Bundesverfassungsgericht hat den Rundfunkbeitrag mehrfach für rechtens erklärt: unter beflissendlicher Ignorierung mehrerer Artikel des Grundgesetzes, des BGB und des HGB. So kann jeder zum Urteil kommen, welches ihm gerade in den Kram passt. Gesetze sind nur da, den Bürger zu bevormunden. Stehen sie der Regierung im Wege, werden sie einfach ignoriert.

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Hartz 4 ist traumatisierend

Armut und ständiger Druck enden in einem lebenslangen Trauma

 

Hartz 4 kann zu einem lebenslangem Trauma führen: Armut, Ausgrenzung und gesellschaftliche Ächtung verletzen die Seele zutiefst.

Hartz 4 kann zu einem lebenslangem Trauma führen: Armut, Ausgrenzung und gesellschaftliche Ächtung verletzen die Seele zutiefst.

“Ich habe auch gelernt, dass die Menschen, die Arme und Hartz-IV-Empfänger pauschal für faul und dumm halten, einfach keine Ahnung haben.”

(Aus: Huffpost Deutschland) –

Dass Beziehungen nicht wie in Disney-Filmen sind, wusste ich zu Beginn meiner Studienzeit schon – dass die Unterschiede zur Realität aber so groß sind, dass man Disney eigentlich wegen grober Fahrlässigkeit verklagen sollte, musste ich erst noch lernen.

Aber von vorn.

Ich war so jung und dumm, wie man es nur sein kann, als ich mein Studium begann. Als der Erste aus meiner Familie, der es an die Uni geschafft hat, hatte ich ein riesig aufgeblähtes Ego.

Ich wollte es den ganzen “Bonzenkindern” an der Uni zeigen. Sie sollten lernen, wie “die harte Realität” da draußen ist.

Stattdessen war ich es, der etwas Wichtiges lernen musste. Und zwar, dass ich in einer geschönten Filterblase aufgewachsen war. Und diese Erfahrung war ziemlich schmerzhaft. Sie begann an dem Tag, an dem meine Freundin in mein Leben trat – mittlerweile ist sie meine Ex.
Seit ihrem 18. Lebensjahr lebte sie abwechselnd von Bafög, Hartz IV und Kellner-Jobs

Ich lernte sie über eine Theatergruppe an der Uni kennen. Sofort ist mir aufgefallen, wie hübsch sie war. Doch von ihr überzeugt hat mich letztendlich etwas ganz Anderes.

Noch nie hatte ich jemanden getroffen, der so tough war, so leidenschaftlich in allen Dingen. Sie hatte meist so gut wie kein Geld und immer Stress mit dem Bafög-Amt. Von ihren Eltern bekam sie keine Unterstützung. Also suchte sie sich einen Job als Kellnerin – und geriet an einen Chef, der ununterbrochen anzügliche Witze machte. Zu guter letzt hatte sie auch noch im Studium zu kämpfen.

Auch wenn sie mit ihrer Situation nicht glücklich war, hat sie all das immer sehr gut gemeistert. Selbst als das Bafög-Amt Probleme machte und sie zeitweise nicht mal mehr Geld für Essen hatte, kam sie irgendwie klar.

Diese Probleme waren nichts Neues für sie. Ihre Eltern hatten nie Geld und haben sich mit Gelegenheitsjobs wie Putzen, Pakete ausliefern und Regale einräumen über Wasser gehalten. Irgendwann rutschten sie in Hartz IV ab. Dann starb auch noch ihr Vater, der nichts als Schulden hinterließ.

Sie wohnte seit ihrem 18. Lebensjahr allein, finanzierte sich während der Schule abwechselnd durch Bafög, Hartz IV und Kellner-Jobs.

Trotzdem machte sie einen Abschluss an einer bilingualen Schule, bekam ein Abi-Zeugnis, von dem ich nur hätte träumen können. Sie sprach drei Sprachen fließend und zwei weitere gut genug, um in den jeweiligen Ländern klar zu kommen.

Ihr Start ins Leben war weit schwerer als meiner, doch als wir uns kennenlernten, hatte sie schon weit mehr daraus gemacht.

Das imponierte mir. Um nicht zu sagen: Ich war total verknallt. So sehr wie noch nie zuvor.

Neben ihr kam ich mir klein und unbedeutend vor. Nicht mehr wie das kluge Arbeiterkind, das es den Bonzen zeigen würde. Ich fühlte mich bloß noch wie ein Kind.
Ihr Leben war ein stetiger Kampf, den sie nur verlieren konnte

Irgendwie hab ich es geschafft, dass auch sie mich gut fand. Und aus “betrunken auf Feiern rummachen” wurde eine richtige Beziehung. Weil ich so verliebt war und es uns beiden finanziell half, zogen wir zusammen.

Jetzt – wo eigentlich der Teil der Geschichte kommen müsste, wie sie trotz ihrer Vergangenheit erfolgreich wurde und wie toll es mit ihr und uns weiter ging, muss ich kurz innehalten.

Denn ich hab das damals wirklich geglaubt. Ich dachte: Sie ist so stark, der ganze Ballast kann ihr nichts anhaben, sie lässt das alles gar nicht an sich ran. Ich lag falsch.

Wer ein Leben lang kämpft, der fängt sich Narben ein. Wunden, die nie ganz verheilen und die plötzlich wieder aufgehen. Ich war zu jung und zu unerfahren, um damit richtig umzugehen.
In ihrem Leben gab es feste Regeln – eine Abweichung bedeutete Angst und Wut

Mit jemandem zusammenzuleben, der es gewohnt war, mit einem Minimum an Geld auszukommen, ist anders.

Da gab es die kleinen Dinge. Sie hat keine Getränke im Supermarkt gekauft, Wasser aus der Leitung reichte völlig. Penibel achtete sie darauf, dass sofort das Licht ausgeschaltet wurde, wenn man einen Raum verließ. Sie wußte genau, was das Minimum an Waschmittel war, das man benötigt, um die Kleidung sauber zu bekommen.

Das mag sich nur nach Marotten anhören. Doch es hatte etwas Zwanghaftes. Und wurde problematisch, wenn man sich nicht an ihre Regeln hielt.

In unserem Haushalt wurde lautstark darüber gestritten, wie lang das Licht an sein darf, dass die Cola auf dem Heimweg unnötig und das Waschmittel schon wieder leer war.

Für sie waren das keine lustigen Spartipps – für sie waren das lebenswichtige Regeln. Die sie sogar so tief verinnerlicht hatte, dass selbst wenn wir finanziell ganz gut dastanden, eine Abweichung von diesen Regeln Angst und Wut in ihr hervorrief.

Und da ging es nur um Kleinigkeiten. Das größte Problem war ein anderes: Das Essen.

In ihrer Familie war Essen immer ein Mittel, den Stress, den die prekäre Lebenssituation mit sich brachte, zu bekämpfen. Viel Fast-Food, viele Chips – typisches Wohlfühl- Stressessen.

Als wir zusammen wohnten, hat sie zu Beginn eigentlich nur Fischstäbchen und Kartoffelpüree gegessen. Wenn es stressig wurde, kamen noch Chips hinzu.

Es war nicht so, dass sie nicht wusste, dass es auch anders geht – aber sie konnte einfach nicht anders.

Sie fühlte sich danach immer schlecht, weil sie ja eigentlich nicht so wie ihre Familie leben wollte. Die starke, intelligente, erfolgreiche Frau, die sie war, kam nicht damit klar, hier so eine “Schwäche” zu zeigen.

Das Ergebnis war, dass sie sich nach dem Essen oft übergab. Über Umwege hat die Armut ihr also eine gefährliche Essstörung beschert.
Depressionen, Wutanfälle und selbstverletzendes Verhalten

Das Gefühl, immer die Beste sein zu müssen, um ja nicht so wie die Eltern zu enden, hat sie auch tief beeinflusst. Sie entwickelte einen großen Perfektionismus und hat sich selbst nichts verzeihen können.

Darunter litt sie sehr. Die Folge waren Depressionen, Wutanfälle und selbstverletzendes Verhalten. Offen zeigte sie nie etwas, doch als ihr Partner kannte ich die Narben an ihren Beinen, wo sie sich selbst geschnitten hatte.

Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Wann ich mit ihr weinen und wann ich hart bleiben musste. Womit ich ihr hätte helfen können, womit ich ihr geschadet hätte.

Wir haben uns oft gestritten. Damals dachte ich, es gehe wirklich darum, ob ich das Licht angelassen hatte. Jetzt weiß ich, dass sie einfach nur jemanden gebraucht hatte, der sie ernst nimmt und versteht. Das konnte ich damals jedoch nicht. Zu anders war meine Biografie, als dass ich verstehen hätte können, was sie durchgemacht hat.

Irgendwann trennten wir uns. Das hatte viele Gründe – wir waren zu jung zusammengekommen, ich hatte noch viel zu sehr mit mir selbst zu tun. Und auch wenn wir uns immer noch mögen, mussten wir uns damals eingestehen, dass wir nicht das sind, was der andere braucht.
Kein Märchen und kein Happy End

Aufhalten konnte sie das alles trotzdem nicht. Sie machte auch an der Uni einen Abschluss, von dem die meisten nur träumen können, lernte noch zwei weitere Sprachen fließend und ging auch beruflich ihren eigenen Weg.

Das klingt nach einem Happy End. Wir haben noch immer viel Kontakt und ich weiß: Sie ist nicht glücklich.

Ihre Kindheit und ihre Armut lassen sie nicht los, nur weil sie nicht mehr arm ist. Sie kämpft noch weiter, aber irgendwann – so sagt sie – ist auch ihre Kraft aufgebraucht.

Ich bin dankbar für die Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Ich habe viel gelernt, ich bin weniger verschwenderisch und viel dankbarer für das, was ich habe. Ich verstehe auch viel besser, was es heißt, arm zu sein.

Lebenslange Armut hat weit weniger mit Geld zu tun, als man glaubt. Armut ist etwas, was man sein Leben lang in sich trägt. Es ist, wie wenn man in einen anderen Kulturkreis zieht. Man lernt die Regeln der anderen, kommt vielleicht sehr gut damit klar, doch da bleibt etwas, was die anderen nicht verstehen können.

Ich habe auch gelernt, dass die Menschen, die Arme und Hartz-IV-Empfänger pauschal für faul und dumm halten, einfach keine Ahnung haben.

Und vor allem habe ich gelernt, dass Armut uns allen schadet. Eine Frau wie meine Ex-Freundin ist stark und intelligent und hat der Welt viel zu bieten. Wenn sie Unterstützung bekommen hätte, wäre sie jetzt vielleicht jemand, über den man in der Zeitung lesen würde.

Aber weil sie in einer armen Familie aufwuchs, war ihr Weg steinig und sie wird ihr Leben lang kämpfen müssen.

Dadurch, dass wir in Deutschland solche Armut zulassen, zerstören wir nicht nur das Glück einzelner Individuen – es bleibt auch so viel Potential auf der Strecke, von dem wir alle profitieren könnten.

Da Armut noch immer mit vielen Vorurteilen verbunden ist, hat der Autor diesen Text unter Pseudonym geschrieben, um sich und seine ehemalige Freundin zu schützen.

Quelle: Huffpost Deutschland

Anmerkung: Und obwohl alle Welt es weiss und es sogar in der Zeitung steht, ändert sich absolut… Nichts! Dafür sorgen die Helfershelfer eines zutiefst satanischen Systems. Die Handlanger nennen es “ihre Pflicht erfüllen”. Warum befolgt der Mensch menschenfeindliche Anweisungen? Um selbst fein raus zu sein?

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