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Wertschätzung und Moral

Gibt es das heutzutage noch?

Oder müssen wir die Arbeitsmoral mal der Zahlungsmoral anpassen? Dann wird aber nicht mehr viel geschafft.

 

Susi muss das Kapital befriedigen (und sich selbst natürlich auch, denn auf diesem Niveau gibt´s weder Liebe noch Freundschaft)

Susi muss das Kapital befriedigen (und sich selbst natürlich auch, denn auf diesem Niveau gibt´s weder Liebe noch Freundschaft)

Wertschätung und Moral – sind diese Werte noch vorhanden? Ja! Der fleissige, gewissenhafte und zuverlässige Arbeiter steht morgends auf, geht pünktlich zu seiner Arbeit und gibt den ganzen Tag sein Bestes, um seine Aufgabe so gut wie möglich zu erledigen.

Er schätzt seinen Arbeitsplatz, respektiert seinen Chef und versucht, so gut wie möglich mit ihm klarzukommen. Er rackert sich ab, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Dann ist ja alles gut, oder? Wird seine Leistung wert geschätzt, bekommt er die Entlohnung, die er wert ist? Wird er als Mensch respektiert, geehrt und würdig behandelt?

Auf der einen Seite sind die positiven, deutschen Tugenden vorhanden, die das Land gross und erfolgreich gemacht haben, die aus einer Trümmerwüste wieder ein blühendes Land gemacht haben. Der deutsche Arbeiter steht seinen Mann!

Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Uns wird erzählt, die EU, der Euro und die Globalisierung hätten die Lebensbedingungen der Menschen verbessert. Ist das so? Nein, es sind dreckige, hinterhältige, infame Lügen! Nichts, aber auch gar nichts hat sich verbessert!

Seit den 80iger Jahren geht es permanent bergab, in rasanter Talfahrt sehen wir, wie die Lebensbedingungen sich permanent verschlechtern. Man hat gerade den Eindruck, als laufe da ein Plan ab, von dem eine nach der anderen Etappe durchgezogen wird, um die Lebensbedingungen zu verschlechtern.

In den 80igern und 90igern merkte man schon, das Prinzip “Leben und leben lassen” bekam erste Risse. Die Lohnangleichungen fielen geringer aus, die Erhöhunen der Preise in allen Lebensbereichen waren höher. Die Lebensqualität wurde schleichend niedriger. Schleichend. Das heisst langsam, kaum merklich, versteckt.

SO sollte ein Geldschein aussehen. Eine kleine, aber wichtige Ergängzung fehlt.

SO sollte ein Geldschein aussehen. Eine kleine, aber wichtige Ergängzung fehlt.

Seit der Einführung des Euro gab es einen absolut krassen Bruch: der Lohn halbierte sich, und zwar nicht einfach nur in der Nummer. Während das Gehalt haargenau halbiert wurde, nahm man es mit den Preisen nicht so genau. Das führte dazu, dass der Arbeiter mal eben 20,30 oder gar 40% seiner Kaufkraft einbüsste.

Und dann kam der Schroeder-Affe mit seinem Hartz4-Hochverrat. Ab da ging es nur noch bergab, aber es war keine schleichende Talfahrt mehr. Sondern die Lebensqualität, die Wertschätung der menschlichen Arbeit, die Achtung und Moral auf Seiten der Arbeitgeber – es war ein abrupter Absturz ins Mittelalter.

Ja, man kann sagen, was die Wertschätzung der Arbeiter und Angestellten betrifft, sind wir wieder im Mittelalter angelangt. Die buchstäbliche Sklaverei ist wieder da. Wir sind keine Menschen mehr, wir sind “Humankapital”. Auf der einen Seite das Kapital, auf der anderen das Humankapital. Kapital hat keine Gefühle, wozu sollte man sich auch um das Wohlergehen der Angestellten kümmern?

Früher ging es um eine gut funktionierende Gesellschaft, jeder brachte seinen Teil ein. Heute geht es nur noch um Gewinnmaximierung, Optimierung.

Die Sprache wird dabei bewusst so gehalten, dass es so aussieht, als ob den Arbeitgeber, den Gesetzgeber und die Regierung dabei ja gar keine Schuld trifft. Es passiert halt. “Die Märkte, das Kapital” regulieren die Abläufe. Das bunte Papier, namens Geld, versklavt uns. So einfach nenne ich das. Sind wir denn noch zu retten?

Die ach so tolle Globalisierung und die EU haben mal eben ganz zufällig alles verschlechtert. Die Milliardengewinne werden verallgemeinert – “uns” geht es viel besser, als je zuvor, “wir” sind Exportweltmeister. Ach ja, und “wir” müssen deshalb natürlich auch unsere Verantwortung wahrnehmen, immer mehr Steuern zahlen, immer mehr erdulden, immer mehr helfen. Denn “uns” geht es ja so gut wie nie.

Das ist keine Lüge, nein. Susanne Klatten, der BMW-Erbin, geht´s durchaus gut, sehr gut sogar. Mit 1 Milliarde Euro Verdienst pro Jahr kann man nicht meckern. Aber bei BMW muss gespart werden! Das ist doch klar. Sonst fliesst diese Milliarde eben nicht. Und ausserdem brauchen wir “Wachstum”.

“Wir” brauchen das, aber bitteschön nicht die Arbeiter, die sind ja nicht “Wir”. Da muss man versuchen, immer mehr Teile der Stammbelegschaft loszuwerden und diese dann als Leiharbeiter wieder einzustellen. Ja, Susi Klatten braucht Wachstum, in den nächsten Jahren sollte ihr Gewinn auf eineinhalb Millarden wachsen. Ach ja, Susi hat natürlich keine Schuld.

Die “Aktionäre” wollen befriedigt werden, “die Märkte” reagieren empfindlich. “Die Aktie” könnte nachgeben, falls die Geschwindigkeit des Wachstums nachlässt. Das heisst, wenn “der Absatz” 2014 um 50.000 Fahrzeuge wuchs, aber 2015 “nur” 45.000 Autos mehr verkauft wurden – dann ist die Krise da!

Warum lassen wir uns von Papierschnipseln das Leben zur Hölle machen?

Warum lassen wir uns von Papierschnipseln das Leben zur Hölle machen?

Dann muss reagiert werden. Dann müssen “wir” den Gürtel enger schnallen –  wobei bei “wir” dann diesmal doch plötzlich wir Angestellten gemeint sind. Wenn “wir” wachsen, sind wir Arbeiter nicht gemeint. Wobei es für die meisten Arbeiter natürlich ein Traum wäre, bei BMW zu arbeiten, weil es dort
im Verhältnis am besten ist.

Nach optimiertem Blickwinkel natürlich, sonst würde man sagen, bei BMW ist es schlecht, und bei allen anderen ist es noch viel, viel schlechter – verglichen mit den Verhältnissen der 80iger und 90iger Jahre. Das wird man doch wohl noch vergleichen dürfen und klare Schlüsse daraus ziehen. Menschen haben heute keinen Wert mehr, Verantwortung und Moral gibt es nicht mehr.

Ist doch ganz klar, “Kapital” hat keine Moral. Kapital kann nicht denken, Kapital kann nur “fliessen”. Und Susi und all die anderen müssen eben schaun, dass das Kapital in die richtige Richtung fliesst. Und die süsse Susi kommt natürlich nicht auf den Gedanken, zu sagen, “10 Millionen im Jahr reichen mir, den Rest verteilen wir unter der Belegschaft”.

Dann hätten “Wir” ja tatsächlich ein erfolgreiches Jahr, und uns würde es wenig stören, wenn das “Wachstum” 2015 um 5000 Autos zurückgegangen wäre. Ob wir nun 22.000 Euro Lohn hätten und unsere Lohnsteigerung würde anstatt weiteren 2000 “nur” 1500 Euro betragen – da würde niemand meckern.

“WIR” sind drittgrösster Waffenexporteuer – natürlich nicht Du, nicht Ich, nicht Klaus, Peter, Franz und Sepp.

“WIR” müssen davon eben die Folgen ausbaden  – dann plötzlich doch Du, und Ich, und Klaus, Peter, Franz und Sepp. Ja, die negativen Folgen von allem ausbaden, das dürfen “WIR”. Aber wenn es darum geht, die Früchte unserer Arbeit zu verteilen, dann sind wir bei “WIR” plötzlich nicht mehr dabei.

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1 Kommentar

  1. Michael Goldmann

    Ein sehr guter Artikel!!!

    Ich,als gelernter BMW-Kfz-Mechaniker und Kind der 60iger habe immer an die Marke geglaubt. Damals hatten wir noch nicht die Möglichkeiten dieser Informationsbeschaffung wie heute.
    Aber es fing an, als ich vor 22 Jahren nicht mehr mit der Handlampe unterm Armaturenbrett nach irgendwelchen Kabeln suchen wollte, sondern mir der Sinn nach Veränderung stand und ich zur glorreichen Bahn als “Gummieisenbahner” ging.
    Ich bemerke bei meinen Fahrten hier im Großraum Kassel das Verschwinden der kleinen und mittelständischen BMW-Händler.
    Jeder Ort hier in der Region hatte einen.
    Jeder dieser Händler war familiengeführt und hatte etliche Angestellte und Lehrlinge.
    Dann kam der große Kahlschlag.
    Wer ihn veranlaßt hat, ich weiß es nicht.
    War es die “heilige Johanna von BMW”? Susanne und ihr Bruder konnten es ja nicht sein, die haben sich zu diesem Zeitpunkt noch auf irgendwelchen Partys und Unis herumgedrückt. Herbert war schon tot.
    Jedenfalls wurden die kleinen Händler, die die Marke BMW nach dem Kriege aufgebaut haben, wir erinnern uns, BMW war in den 50igern fast pleite, platt gemacht, zugunsten der großen BMW-Niederlassungen.
    Persönliche Ansprache, Leute die man kannte, Fehlanzeige.
    Aber ich denke mal, dass hat heute System.
    Natürlich, ein fester Job bei BMW, Daimler, Audi, VW oder MAN das wär schon was. Weil nach geraumer Zeit, wenn man nach 3-5 Zeitarbeitsverträgen eventuell fest übernommen wurde, dann öffnet sich wie von selbst die Schatulle der Banken.
    Es gibt Geld für ein Haus, weil, ja man ist VWler. Und man kann sich den Golf R mit WOB ( Werksangehöriger ohne Bargeld) holen für die Kleinigkeit von über 500 Euro Leasing Rate jeden Monat. Und man ist rundum zufrieden, weil die Deppen draußen kaufen ja alles.
    Mir gehts gut, ich bin WA, der Rest ist mir egal.
    Ich denke, der Stephan und die Susi ticken genauso.
    Für mich war es mit Anfang 20 auch erstrebenswert einen BMW 323i zu fahren. Leider kam die Bundeswehr dazwischen. Und nach dem Bund war mein Ex-Chef leider pleite. Also gings auf Wanderschaft. Für Susi und Stephan sicherlich ein Fremdwort. Weil diese das Glück hatten in der richtigen Gebärmutter zur Welt zu kommen. Und weil ihr Vater, der Herbert, im WK 2 schön Kohle mit den Nazis gemacht hat.
    Aber ich habe meine Konsequenzen aus dem ständigen Beschiss des deutschen Arbeiters gezogen:
    Die lautet:
    Leistungsverweigerung.
    Rückzug aufs Private, Dienst nur noch nach Vorschrift, kein Handschlag mehr.
    Das ist m.E. das Einzige was gegen diesen ganzen Wahnsinn hilft.
    Wenn ich mir überlege, das heute BMWs über 60-70000 Euro kosten. In echtem Geld, 120000-140000 Deutsche Mark.
    Dafür haben früher die Leute ganze Häuser gebaut und ihr Leben lang drin gewohnt, dann merke ich, dass die ganze Welt verrückt geworden ist.
    Deswegen: Konsumverzicht.
    Ich komme mit meinem kleinen Fiat Panda auch überall hin. Ich kann in meinem alten Haus auch nur wohnen.
    Und ansonsten Arsch lecken, rasieren, 3,50.
    Das Leben ist wesentlich entspannter.
    Ein schönes Wochenende noch.

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