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Willkommen, Sklave!

Spiessrutenlauf ums Überleben – die Überwindung, Hilfe zu beantragen und völlig ausgeliefert zu sein

 

Bist Du einmal durch diese Tür getreten, bist Du nicht mehr Herr deiner selbst!

Bist Du einmal durch diese Tür getreten, bist Du nicht mehr Herr deiner selbst!

Zuerst sind da die Hemmungen, die Scheu, die Überwindung, staatliche Hilfe zu beantragen. Die Angst, seine Selbstständigkeit zu verlieren. Die Schmach, ab jetzt nach der Pfeife fremder Leute tanzen zu müssen, die Peinlichkeit, seine gesamte finanzielle Situation offenlegen zu müssen. Die Entwürdigung, tatsächlich nichts mehr zu haben und diese beschämende Tatsache, das auch noch offen zu zeigen.

Das Glück über jeden einzelnen Tag, wo der spiessrutenartige Gang zum Jobcenter noch vermieden werden kann. Doch irgendwann ist es soweit: Du bist hilfsbedürftig und abhängig. Die Schmach ist riesengross. Du kommst dir unfähig vor, dein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Wenn du in die Strasse des Jobcenters einbiegst-ob die Leute dann wohl denken “ist die/der wohl wieder so ein fauler Sozialschmarotzer, der zum Jobcenter will?” Mir scheint, als denken die Leute so, daher gehe ich diese Strasse nicht lang, auch wenn es eine Abkürzung wäre. Oder ich gehe zumindest auf der anderen Strassenseite.

Aber was ist, wenn man da wirklich hinwill bzw. muss? Die Leute mit gesenktem Kopf wollen auf jeden Fall schon mal zum Jobcenter. Für die meisten Menschen ist der Gang zum Jobcenter ein wahrer Spiessrutenlauf, ein Gang in die Höhle des Löwen, der Marsch durchs Tor zur Hölle.

Und immer mehr Menschen bleibt diese Schmach nicht mehr erspart. Viele haben tatsächlich schon gehungert, bevor sie den schweren Gang antraten. Man fühlt sich ausserhalb der Gesellschaft, ja sogar ausserhalb des Lebens. Ausgestossen.

Und als ob das nicht schon schwer genug ist, wird es einem mit vollster Absicht so schwer wie möglich gemacht. Du lügst. Das ist die Voraussetzung, von der die Jobcenter ausgehen. Du lügst, dir geht es gar nicht schlecht, du willst nur den Staat betrügen. Doch nicht? Na, dann bring erstmal 1000 Papiere bei, die beweisen, dass du nicht lügst.

Soll man denjenigen beschimpfen, der einem "hilft"? Kann man das wahre Hilfe nennen?

Soll man denjenigen beschimpfen, der einem “hilft”? Kann man das wahre Hilfe nennen?

Du Lügner, wahrscheinlich lügst du nämlich doch. Tja, wie soll man das schaffen? Viele sehen sich  vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt.

Ein Kontoauszug mit Null Euro auf dem Konto sind leider kein Beweis, dass es dir schlecht geht. Man geht davon aus, dass du alle Tricksereien anwendest, die es auf diesem Erdball geben könnte. Dass du dir monatelang den Kopf zerbrochen hast, wie du den Staat übern Tisch ziehen kannst.

Ja, und jetzt musst du erstmal das Gegenteil beweisen, dass es nicht so ist. Antrag ausfüllen, Nachweise beibringen. Kennst du ja schon. Wenn du keine Geburtsurkunde hast, existierst du gar nicht.

Die Geburtsurkunde ist eigentlich wichtiger, als du selbst. Sie ist zumindest schonmal ein Beweis, dass du etwas bist: nämlich ein FALL. Ohne Geburtsurkunde kannst du nämlich nicht einmal ein FALL werden.

Ach übrigends: wenn du es tatsächlich schaffen solltest, all diese Papiere zusammen zu bekommen – Antragsannahme ist im ganz hinten im letzten Zimmer des Flures, zweimal in der Woche. Bis dein “FALL” geprüft worden ist und die Bewilligung von Hilfe durch ist, dauert es im Allgemeinen mindestens 30 Tage.

Also komme ja nicht auf die Idee, völlig pleite zu sein, wenn du Leistungen beantragen kommst. Du wirst dich noch eine ganze Weile gedulden müssen.

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